Schilddrüsenerkrankungen
Als lebenswichtiges Organ ist die Schilddrüse an der Steuerung vieler Körperfunktionen maßgeblich beteiligt. Durch die von ihr gebildeten Schilddrüsenhormone werden der Stoffwechsel, die Verdauungsorgane, Fruchtbarkeit und Sexualität sowie Herzschlag und Körpertemperatur beeinflusst. Es bestehen auch wechselseitige Beziehungen der Schilddrüse zu anderen hormonbildenden Organen, wie z.B. den Eierstöcken oder Hoden, so dass unter Umständen auch ein unerfüllter Kinderwunsch seine Ursache in einer Erkrankung der Schilddrüse haben kann.
Erkrankungen der Schilddrüse kommen häufig vor. Mit dem Auftreten von Schilddrüsenkrankheiten ist vor allem in bestimmten Risikogruppen zu rechnen (Schwangere, Frauen nach Entbindung, bei familiär vorkommenden Schilddrüsenkrankheiten). In diesen Fällen sollte eine Untersuchung der Schilddrüse mit Ultraschall und Laboruntersuchung erfolgen.
Aufgrund der Bedeutung von Schilddrüsen-Funktionsstörungen werden heute auch bei Heranwachsenden im Rahmen der Jugenduntersuchungen sowie häufig bei älteren Menschen Vorsorgeuntersuchungen der Schilddrüse durchgeführt.
Seit vielen Jahren werden in Deutschland bereits alle Neugeborenen auf mögliche Schilddrüsenfehlfunktionen (TSH-Screening) untersucht, da die fehlenden Hormone Entwicklungsschäden hinterlassen können, die sich durch die rechtzeitige medikamentöse Gabe von Schilddrüsenhormonen vermeiden lassen und den betroffenen Kindern eine normale Entwicklung ermöglichen. Da ein Fötus aber bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche Jod benötigt, ist auch für Schwangere der Bedarf an Jod erhöht.
Die Schilddrüse benötigt für ihr Funktionieren unbedingt ausreichende Mengen an Jod. Bei Jodmangel versucht sie, ihre Funktion durch vermehrtes Größenwachstum auszugleichen. Es entsteht ein Kropf oder medizinisch Struma genannt. "Überflüssig wie ein Kropf?" - Eigentlich nicht! Das Organ Schilddrüse kann durch eine Vergrößerung über einen längeren Zeitraum seine Funktion aufrecht erhalten.
Hinweise auf eine Unterfunktion können Konzentrationsschwäche, Gewichtszunahme, Verstopfung, Müdigkeit, Haarausfall, Zyklusstörungen u.a.m. sein. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse werden ähnliche Organsysteme betroffen, allerdings mit einer Beschleunigung aller Stoffwechselvorgänge im Körper: erhöhter Grundumsatz, Heißhunger, ggf. Gewichtsabnahme, Herzrasen, innere Unruhe oder Durchfall.
Rechtzeitig erkannt, können viele Erkrankungen noch gut mit Tabletten behandelt werden. Im Verlauf zeigt sich jedoch manchmal, dass eine Operation der Schilddrüse oder eine Radiojodtherapie notwendig ist.
Gerade bei einer vergrößerten Schilddrüse besteht die Neigung zur Ausbildung von Knoten. Diese sollten nach Abtasten durch den Arzt unbedingt weiter untersucht werden, da hiermit nicht nur eine mögliche Fehlfunktion der Schilddrüse sondern auch eine - wenn auch seltene - Krebserkrankung ausgeschlossen werden muss. Zuerst erfolgt mittels Ultraschall eine Größenbestimmung und eine Untersuchung der sonographischen Beschaffenheit der Knoten. Im nächsten Schritt werden die Knoten dann mittels einer Szintigraphie untersucht. Dabei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der schwach radioaktive Substanzen injiziert werden. Diese Stoffe werden in das Schilddrüsengewebe aufgenommen und können dann bildlich dargestellt werden. Stellen, die im Szintigramm stark anreichern, werden in warmen Gelb-Rot-Tönen dargestellt und daher als "heiße Knoten" bezeichnet. Stellen, die wenig oder gar nicht anreichern, sind in kalten Farben wie z.B. Blau zu sehen. Diese werden "kalte Knoten" genannt.
Wichtig zum Verständnis der Szintigraphie ist die Tatsache, dass die Art des festgestellten Knotens (heiß oder kalt) keine Aussage darüber zulässt, ob die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigt ist (Über-, Unter- oder Normalfunktion). Es handelt sich lediglich um ein bildliches Phänomen in der Szintigraphie. Eine Aussage über die Hormonbildung ist nur anhand einer Hormonbestimmung im Blut möglich. Jedoch besteht vor allem bei den sogenannten kalten Knoten eine, wenn auch geringe, Gefahr der bösartigen Entartung der Zellen. Daher sollten kalte Knoten punktiert werden. Hierbei wird durch einen kleinen Einstich durch die Haut eine winzige Gewebeprobe entnommen und die Zellen anschließend vom Pathologen untersucht. Man nennt diese Untersuchung auch Feinnadelpunktion.
Obwohl Schilddrüsenerkrankungen häufig sind, sollte bei begründetem Verdacht eine weiterführende Abklärung durch den Spezialisten erfolgen. So können überflüssige Untersuchungen und teure Doppeluntersuchungen vermieden werden.