Endokrinologie
Endokrinologisches Zentrum Frankfurt e.V.


 
 


Transsexualität

Der Begriff Transsexualität bezeichnet eine Störung der Geschlechtsidentität, deren Ursache bislang unklar ist. Die Geschlechtsidentität, also das Wissen um die eigene Zugehörigkeit zu einem Geschlecht und die Erfahrung der eigenen Geschlechtsrolle, kann in unterschiedlichen Ausprägungen bereits im frühen Kindesalter gestört sein. Dabei kommt es aber nur in einem geringen Prozentsatz der Fälle zu einer echten bis ins Erwachsenenalter bestehenden Transsexualität. Ein Hauptmerkmal der Transsexualität ist die anhaltende Inkongruenz zwischen dem anatomischen Geschlecht und der Geschlechtsrolle in der Gesellschaft, die nicht Ausdruck einer anderen psychischen Störung wie z.B. einer Schizophrenie sein darf. Bei den Betroffenen herrscht die dauerhafte innere Gewissheit, nicht dem angeborenen Geschlecht zugehörig zu sein. In der Regel besteht der alles beherrschende Wunsch, im Identifikationsgeschlecht zu leben und soweit wie möglich auch dessen körperliche Erscheinungsform anzunehmen.

Die Grundvoraussetzungen für eine chirurgische oder hormonelle Behandlung sind formal sowohl auf juristischer, psychotherapeutischer als auch medizinischer Ebene vorgegeben und im Sinne der Betroffenen genau geregelt. Da die Maßnahmen zur Geschlechtsumwandlung sehr weitreichende und in der Regel irreversible Folgen für die Patienten haben, ist die endgültige Diagnose nur innerhalb eines langfristigen diagnostischen Prozesses möglich. Wesentlicher Bestandteil dabei ist der Alltagstest, bei dem die Patienten mindestens ein Jahr lang den Alltag im gewünschten Geschlecht bestritten haben. Die Patienten sollen die Grenzen einer körperlichen Veränderung zum Wunschgeschlecht realistisch einschätzen. Bei Heranwachsenden sollte bis auf begründete Einzelfälle eine Hormonbehandlung erst nach dem Abschluss der psychosexuellen Entwicklung erfolgen, wobei das Alter dabei individuell stark variieren kann.

Sind alle Voraussetzungen für eine Hormonbehandlung erfüllt, kann die Therapie durch einen Facharzt für Endokrinologie eingeleitet und begleitet werden. Die einmal eingeleitete Hormonsubstitution ist dann zumeist lebenslang erforderlich und die Auswirkungen der Behandlung häufig irreversibel. Auf jeden Fall sollte aber vor dem Beginn einer hormonellen Therapie eine eingehenden gynäkologische bzw. urologische Voruntersuchung, eine internistische Untersuchung mit Augenmerk auf alle Risikofaktoren (Herz-Kreislauferkrankungen, Gerinnungsstörungen, Lebererkrankungen, Knochendichte), ein Hormonstatus und im Einzelfall auch eine genetische Untersuchung stattfinden.

Bei der Hormonbehandlung können die entsprechenden Hormone als Spritzen, Pflaster oder Tabletten zugeführt werden. Dabei sind in Abhängigkeit der persönlichen Verträglichkeiten auch Depotgaben alle 2-3 Monate denkbar. Bei Vorliegen relativer und absoluter Kontraindikationen können begleitende Therapien ergänzend zu den Gaben von Geschlechtshormonen erwogen werden. Generell gilt, dass jede Form der Hormonsubstitution ein erhöhtes Osteoporoserisiko mit sich bringt, so dass vor und während einer Substitutionsbehandlung die Messung der Knochendichte ratsam ist.

Bei der Umwandlung von Frau zu Mann kann die Gabe männlicher Geschlechtshormone bei noch vorhandenen weiblichen Geschlechtsorganen das Entstehen von zystischen Veränderungen in den Eierstöcken und eine Wucherung bzw. bösartige Entartung der Gebärmutterschleimhaut bedingen. Daher ist bei unter der Substitution auftretenden genitalen Blutungen biologisch weiblicher Patienten eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich. Insgesamt häufiger ist das Begehren von Männern, ein weibliches Geschlecht anzunehmen. Dabei werden Östrogene und Gestagene meist in Kombination verabreicht. Zusätzliche Gaben von antiandrogenen Substanzen erfolgen in Abhängigkeit der erreichten Hormonspiegel.

Alles in allem ist die Betreuung von Transsexuellen eine komplexe Aufgabe, die nur durch die enge Zusammenarbeit von Psychotherapeuten, Endokrinologen, Gynäkologen, Urologen, Chirurgen und nicht zuletzt der Patienten befriedigende Ergebnisse auf kosmetisch-ästhetischer und funktioneller Ebene erzielen kann, welche die Voraussetzung für eine langfristige emotionale Stabilisierung der Patienten sind.



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